Lavendel und Rose auf der einen Seite, Erde, Moschus und Skunk auf der anderen: Beim Geruch von Midnight gehen die Beschreibungen in zwei Richtungen. Im Mittelpunkt steht hier die Sorte des israelischen Unternehmens Tikun Olam, deren Elternlinien nicht bekannt sind und die THC und CBD in annähernd gleichen Anteilen bildet. Zwei weitere Breeder führen unter demselben Namen Kreuzungen mit eigenem Stammbaum.
Aroma und Geschmack:
Sortenbeschreibungen nennen Lavendel, Rose und Salbei. Erfahrungsberichte stützen diese florale Seite: Einer vergleicht den Duft der Blüten mit Lavendel, ein anderer beschreibt den Geschmack als stark von Rose geprägt, mit etwas Lavendel und Erde im Hintergrund. Andere Berichte nehmen vor allem Erde und Skunk wahr, ergänzt um Hopfen und Kräuter. Ausführlich schildert ein Bericht über eine Charge aus Florida, wie sich das Aroma verändert: im Glas moschusartig mit Kräutern und Blüten, nach dem Mahlen süßer, mit Frucht und Zitrus, im Rauch wieder Moschus und Blüten mit einem Rest Zitrus.
Ein kanadischer Produzent gab Erde, Käse und einen stechenden Geruch als Leitaromen an. Eine weitere Beschreibung spricht von würzigen Kräutern mit Zitrone und einem süßsauren Zitronengeschmack. Als vorherrschende Terpene nennen Sortenbeschreibungen Myrcen, Limonen und Linalool; dieselben drei standen, ergänzt um Alpha-Pinen und ohne Mengenangaben, auf dem Etikett der Charge aus Florida.
Genetik und Herkunft:
Die Abstammung hat Tikun Olam nicht offengelegt. Eine US-Patentanmeldung für eine Cannabispflanze namens 'MIDNIGHT' führt die Sorte auf 3 Jahre Selektion aus Eltern unbekannter Herkunft in Birya, Israel, zurück. Eingereicht hat sie Ytzchak Cohen im Jahr 2015, die Priorität reicht bis Februar 2013 zurück. 2018 wurde die Anmeldung auf Tikun Olam übertragen, inzwischen gilt sie als aufgegeben. Die Patentschrift vergleicht Midnight mit Avidekel: Beide bilden viel CBD und verhalten sich beim Trocknen und Lagern ähnlich.
Sortenbeschreibungen ordnen Midnight als sativabetonte Hybride mit 60 % Sativa und 40 % Indica ein. Über Lizenzpartner gelangte die Genetik nach Kanada und in die USA.
THC- und CBD-Gehalt:
In der Patentanmeldung stehen 12,7 % THC und 12,4 % CBD, ein Verhältnis von fast 1:1. Andere Sortenbeschreibungen geben 8 bis 12 % THC und 9 bis 14 % CBD an, einige setzen den THC-Wert deutlich unter den CBD-Wert. Ein Erfahrungsbericht von 2021 nennt für eine Charge medizinischer Blüten aus Florida die Etikettenwerte 8,95 % THC, 10,1 % CBD und 0,45 % CBG, ohne das prüfende Labor anzugeben.
Wirkung:
Erfahrungsberichte schildern einen klaren Kopf und Konzentration bei leicht gehobener Stimmung, dazu körperliche Entspannung. Wie anregend die Sorte wirkt, wird unterschiedlich erlebt. Einige Berichte sprechen von Energie und Euphorie und davon, dass sie Lust auf kreative Arbeit wie Musik machte; andere fanden sie zurückhaltend und eher beruhigend. Der Bericht aus Florida stuft die psychoaktive Wirkung als mild ein, ein anderer nennt eine Dauer von 4 bis 5 Stunden. Als Nebenwirkungen werden Mundtrockenheit, trockene Augen und Schwindel genannt.
Anbau:
Die genauesten Anbaudaten enthält die Patentanmeldung. Sie beschreibt eine buschige Pflanze, die im Innenraum etwa 150 bis 160 cm hoch wird und im Freiland nach 5 Monaten rund 170 cm erreicht. Die gefingerten Blätter tragen 8 oder 9 Einzelblättchen, die Internodien messen in der unteren Pflanzenhälfte 5 bis 6 cm, in der oberen 4 cm. Für die Blüte gibt das Patent 8 Wochen an, andere Sortenbeschreibungen nennen 42 bis 56 Tage oder 9 bis 10 Wochen. Laut Patentschrift ist Midnight gut gegen Schimmel gewappnet und tolerant gegenüber Schädlingen und Pflanzenkrankheiten. Sie lässt sich aus Samen ziehen, für die Produktion im größeren Maßstab wird sie über Stecklinge vermehrt.
Die getrockneten Blüten sind nach der Patentschrift dicht und kompakt, mit hohem Trichombesatz und orangebraunen Härchen; an den Kelchen zeigt sich eine leichte Violettfärbung. Andere Beschreibungen sprechen dagegen von großen, luftigen Blüten, und der Bericht aus Florida fand die Struktur locker.
Versionen verschiedener Breeder:
Einen anderen Stammbaum haben zwei Sorten gleichen Namens. Vancouver Island Seed Company kreuzte The Black mit Fucking Incredible; beschrieben wird eine überwiegend indicageprägte Pflanze mit viel Violett in den Blüten und süßem Geschmack, 6 bis 8 Wochen Blütezeit und 60 bis 85 g Ertrag in einem Topf von 2 Gallonen. Von 3rd Coast Genetics stammt eine Kreuzung aus Gelato 33 und Oreoz, ebenfalls überwiegend Indica, mit 60 bis 65 Tagen Blüte und Eignung für Innenraum, Freiland und Gewächshaus. Feminisierte Samen gab es laut Sortenbeschreibungen von keiner der beiden.