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Botrytis an Cannabis: Grauschimmel an Blüten erkennen und vorbeugen

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Viktor
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Dichte, feuchte Cannabispflanze im Freiland unter bedecktem Himmel.
KI-generiert

Botrytis an Cannabis ist der Befall der Blüten durch den Grauschimmelpilz Botrytis cinerea, im Englischen als Bud Rot bekannt. Erkennbar wird er an braunen, wässrig wirkenden Flecken in den Blütenständen, an absterbendem, braun verfärbtem Gewebe und später an einer graubraunen Sporenmasse. Vorgebeugt wird vor allem über das Klima: Merkblätter US-amerikanischer Universitäten nennen für Gewächshäuser eine relative Luftfeuchte unter 50 %, dazu Luftbewegung im Bestand und möglichst kurze Nässephasen an den Pflanzen.

Der Pilz befällt laut NC State Extension mehr als 200 Pflanzenarten, darunter Erdbeeren, Weinreben und Gemüse. Bei Cannabis gehört er zu den Erregern, die die Blütenstände der Pflanze direkt zerstören. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Pest Management Science (2021) beziffert die wirtschaftlichen Verluste durch solche blütenbefallenden Erreger vor und nach der Ernte auf bis zu 20 %.

Woran man Grauschimmel an Cannabisblüten erkennt

Am Anfang stehen braune, wässrig durchscheinende Flecken an den Blüten. Danach stirbt das Gewebe ab, färbt sich braun und kann eine graubraune Masse aus Sporen bilden, wie das Pflanzenkrankheiten-Handbuch der Pacific Northwest beschreibt. Am Stängel zeigen sich gelbliche Bereiche und Krebsstellen, die bei dichtem, schwerem Bewuchs Äste abbrechen oder Stängel aufreißen lassen. Im Stängelgewebe entstehen mitunter kleine schwarze Sklerotien, mit denen der Pilz überdauert.

Eine über mehrere Jahre angelegte Untersuchung an Cannabis aus Indoor-Anlagen, Gewächshäusern und Freilandanbau (Frontiers in Plant Science, 2019) fand an befallenen Blüten braune Verfärbungen, abgestorbene Hochblätter und Blätter sowie zersetztes Gewebe. Nachdem die Proben 48 Stunden in einem Plastikbeutel inkubiert worden waren, wuchs darauf graubraunes Myzel. In schweren Fällen mit bis zu 50 % befallenen Pflanzen trugen auch die Blätter Flecken. Solche Blattinfektionen traten nach Angaben der Autoren nur bei hohem Sporendruck und an Pflanzen kurz vor der Ernte auf.

Fachportale der Cannabisbranche beschreiben übereinstimmend, dass die Fäule oft im Inneren dichter Blüten am Stiel beginnt und erst später von außen sichtbar wird. Beim Öffnen solcher Blüten zeigt sich nach diesen Darstellungen weiches, matschiges, grau bis braun verfärbtes Gewebe. Als weiteres Kennzeichen nennen sie einen muffigen Geruch.

Flache Illustration eines Cannabisblütenstands mit braunen und grauen Fäulnisstellen.
KI-generiert

Unter welchen Bedingungen Botrytis die Blüten infiziert

Botrytis cinerea ist ein Schwächeparasit. Laut Utah State University dringt der Pilz nur über Wunden oder absterbende Pflanzenteile ein. Das Handbuch der Pacific Northwest nennt geschwächtes, verletztes und alterndes Gewebe als Einfallstor. Die Sporen werden mit dem Wind oder durch Spritzwasser verbreitet, im Boden und in Pflanzenresten überdauert der Pilz als Sklerotien.

Für die Infektion braucht der Pilz hohe Luftfeuchte und freies Wasser auf der Pflanzenoberfläche. Bei der Temperatur weichen die Merkblätter voneinander ab:

Quelle

Günstiger Temperaturbereich

Zusatzangabe

University of Kentucky (2021, Botrytis-Krankheiten allgemein)

15 bis 24 °C

über 30 °C keine Infektionen mehr

Handbuch der Pacific Northwest (Hanf, 2026)

50 bis 80 °F (rund 10 bis 27 °C)

Optimum 68 °F (20 °C)

NC State Extension (Hanf, 2024)

65 bis 75 °F (rund 18 bis 24 °C)

kühle, feuchte Bedingungen

Utah State University (Hanf)

65 bis 75 °F (rund 18 bis 24 °C)

Feuchte und Nässe durch Regen oder Bewässerung

Ein Merkblatt der University of Kentucky zu Botrytis-Krankheiten nennt 90 % relative Luftfeuchte als Optimum für Infektionen. Verletztes Gewebe kann demnach bereits ab 80 % befallen werden. Für Hanf sieht die Utah State University eine Gefahr, wenn die Luftfeuchte im Gewächshaus eine Woche oder länger hoch bleibt oder im Freiland kühler Regen fällt.

Grafik mit Luftfeuchte-Werten: unter 50 % zur Vorbeugung, 80 bis 90 % begünstigen Infektionen.
Grafik: Graswiese

Warum dichte Blüten und nasses Herbstwetter das Risiko erhöhen

Sorten mit großen, kompakten Blütenständen erkranken laut der Übersichtsarbeit in Pest Management Science stärker als Sorten mit kleineren, locker aufgebauten Blüten. Die Autoren führen das auf die bessere Luftbewegung in lockeren Beständen zurück, kennzeichnen diese Erklärung aber als Annahme.

Im Freiland kann die Blütenfäule bei kühlem, nassem Wetter verheerend sein. Dieselbe Arbeit beschreibt außerdem, dass die Zahl der Sporen von pflanzenpathogenen Pilzen und Schimmelpilzen in der Luft mit der Jahreszeit schwankt und im Herbst höher ist, was vor allem den Anbau im Freien betrifft. Regen in der Zeit, in der die Blüten ausreifen, kann laut dem Pacific-Northwest-Handbuch große Ausbrüche auslösen.

Grauschimmel im Innenraum und Gewächshaus vorbeugen

Für Gewächshäuser nennen die Merkblätter von Utah State University und NC State Extension und das Pacific-Northwest-Handbuch übereinstimmend eine relative Luftfeuchte unter 50 %. Das Handbuch ergänzt warme Temperaturen und hohe Lichtintensität. Wie Temperatur und Luftfeuchte zusammen auf das Dampfdruckdefizit wirken, lässt sich mit dem VPD-Rechner nachvollziehen.

Eine Übersichtsarbeit zum Krankheitsmanagement in Cannabis-Gewächshäusern (Plants, 2024) setzt den Rahmen für die Blütephase anders: 23 bis 28 °C bei 50 bis 70 % relativer Luftfeuchte. Als Zielwert für die Luftbewegung, bei dem Mikroorganismen unterdrückt werden, nennt sie 0,5 bis 1,0 m/s. Eine geringere Pflanzendichte kann nach dieser Arbeit die Luftfeuchte im Gewächshaus deutlich senken. Ab der sechsten Blütewoche sehen die Autoren eine tägliche Kontrolle auf Blütenfäule vor.

Die Merkblätter der Universitäten führen weitere Kulturmaßnahmen auf:

  • Verletzungen an Pflanzen und Blüten vermeiden, weil der Pilz über Wunden eindringt

  • keine Überdüngung, nach dem Pacific-Northwest-Handbuch insbesondere nicht mit Stickstoff

  • Geräte und Werkzeuge reinigen, laut Utah State University mit einer 10- bis 15-prozentigen Lösung aus Haushaltsbleiche

  • abgestorbene und befallene Pflanzen und Pflanzenteile aus dem Bestand entfernen

Innenraum eines Gewächshauses mit Belüftung und locker stehenden Pflanzenreihen.
KI-generiert

Botrytis im Freiland vorbeugen

Das Pacific-Northwest-Handbuch bezeichnet die Pflege des Blätterdachs als wichtigste vorbeugende Maßnahme. Größere Abstände zwischen den Pflanzen und den Reihen sowie eine geeignete Ausrichtung der Reihen sollen Luft durch den Bestand führen. Während und nach der Blüte wird demnach sparsam bewässert, von unten statt über Kopf und morgens, damit das Laub vor Sonnenuntergang abtrocknet. Pflanzen sollen nicht 12 Stunden oder länger nass bleiben.

Früher ernten, um Verluste zu begrenzen

Lizenzierte Produzenten entfernen befallene Blüten und ernten früher, um Sporenbildung und Ausbreitung zu begrenzen. Die Übersichtsarbeit von 2021 hält beide Verfahren für geeignet, Ausbrüche zu verringern, beschreibt sie aber als arbeitsaufwendig. Nach der Übersichtsarbeit von 2024 kann eine Ernte nach 6 statt nach 8 Wochen Blütenentwicklung den Botrytis-Befall verringern. Bei manchen Genotypen kann das zulasten von Ertrag und Wirkstoffgehalt gehen.

Hanffeld im Freiland mit Pflanzenreihen und Abstand zwischen den Reihen.
KI-generiert

Befallene Blüten entfernen und entsorgen

Heilen lässt sich eine Botrytis-Infektion laut Utah State University nicht. Das Merkblatt sieht vor, befallene Pflanzen sofort zu entfernen, damit weniger Sporen entstehen. Auch die Übersichtsarbeit von 2024 nennt das Entfernen und Entsorgen befallener Blütenstände.

Den Umgang mit befallenem Pflanzenmaterial beschreibt das Umweltbundesamt am Beispiel von Grauschimmel an Erdbeeren. Danach werden die betroffenen Pflanzenteile rasch entfernt und über den Haus- oder Biomüll entsorgt, weil nicht jeder Kompost Temperaturen erreicht, die die Erreger abtöten.

Für Cannabis aus dem privaten Eigenanbau gilt zudem das Konsumcannabisgesetz. Nach § 9 Abs. 2 KCanG darf es nicht an Dritte weitergegeben werden. § 10 KCanG verlangt, Cannabis am Wohnsitz und am gewöhnlichen Aufenthalt durch geeignete Maßnahmen vor dem Zugriff Dritter, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, zu schützen.

Häufige Fragen

Woran erkennt man Botrytis an Cannabisblüten?

Typisch sind braune, wässrig wirkende Flecken an den Blüten, absterbendes, braun verfärbtes Gewebe und später eine graubraune Sporenmasse. Fachportale der Cannabisbranche beschreiben außerdem, dass die Fäule oft im Inneren dichter Blüten beginnt und muffig riecht.

Bei welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Grauschimmel?

Ein Merkblatt der University of Kentucky nennt 90 % relative Luftfeuchte als Optimum für Infektionen, verletztes Gewebe kann schon ab 80 % befallen werden. Als günstige Temperatur gibt es 15 bis 24 °C an.

Was bedeutet Bud Rot?

Bud Rot ist die englische Bezeichnung für die Blütenfäule an Cannabis und Hanf, die vor allem der Grauschimmelpilz Botrytis cinerea verursacht.

Lässt sich Botrytis an Cannabis behandeln?

Laut Utah State University lässt sich eine Infektion nicht heilen. Befallene Pflanzen werden deshalb sofort entfernt, damit weniger Sporen entstehen.

Wie werden von Grauschimmel befallene Pflanzenteile entsorgt?

Das Umweltbundesamt beschreibt am Beispiel von Erdbeeren, befallene Pflanzenteile rasch zu entfernen und über den Haus- oder Biomüll zu entsorgen. Nicht jeder Kompost erreicht Temperaturen, die die Erreger abtöten.

Quellen

Stand: 22.10.2026

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachperson.