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VPD-Tabelle für Cannabis: Zielwerte je Wachstumsphase

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Viktor
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Nahaufnahme einer jungen Cannabispflanze mit handförmig gefingerten Blättern in einer kleinen Anbauumgebung.
KI-generiert

Eine VPD-Tabelle für Cannabis ordnet jeder Wachstumsphase einen Zielbereich des Dampfdruckdefizits zu. Üblich sind 0,5 bis 1,0 kPa für Stecklinge und Sämlinge, 0,7 bis 1,2 kPa in der vegetativen Phase und 1,0 bis 1,5 kPa in der Blüte, so fasst eine 2025 in der Fachzeitschrift Frontiers in Plant Science erschienene Studie die gängigen Angaben zusammen. Es handelt sich um Erfahrungswerte aus der Praxis. Dieselbe Studie zählt die Luftfeuchte zu den am wenigsten untersuchten Klimafaktoren im Cannabisanbau.

Welcher VPD sich aus Lufttemperatur und relativer Luftfeuchte ergibt, steht in der Tabelle weiter unten. Für beliebige andere Kombinationen rechnet der VPD-Rechner den Wert direkt aus. Er zeigt standardmäßig die Blatt-VPD für ein Blatt, das 2 °C kühler ist als die Luft; ohne Blatt-Offset entsprechen seine Werte der Tabelle unten.

Was das Dampfdruckdefizit angibt

Das Dampfdruckdefizit, englisch vapor pressure deficit (VPD), ist die Differenz zwischen dem Sättigungsdampfdruck und dem tatsächlichen Dampfdruck der Luft, angegeben in Kilopascal (kPa). Die Welternährungsorganisation FAO bezeichnet es in ihren Richtlinien zur Verdunstungsberechnung als genauen Indikator für die Verdunstungskapazität der Luft.

Die relative Luftfeuchte allein beschreibt diese Kapazität nicht. Sie ist nur das Verhältnis beider Dampfdrücke, und der Sättigungsdampfdruck steigt mit der Temperatur nicht linear an. Bei 60 % relativer Luftfeuchte liegt der VPD bei 20 °C deshalb bei 0,94 kPa, bei 30 °C dagegen bei 1,70 kPa.

Pflanzen reagieren auf trockenere Luft, indem sie ihre Spaltöffnungen teilweise schließen. Das beschreiben unter anderem eine Modellstudie im Journal of Advances in Modeling Earth Systems (2019) und eine Versuchsreihe an Sonnenblumen in der Fachzeitschrift AoB Plants (2020). Speziell für Cannabis nennt ein Branchenbeitrag in der Fachzeitschrift Cannabis Science and Technology (2019) als Folgen eines zu niedrigen VPD gebremstes Wachstum sowie Probleme mit Schimmel und Wurzelfäule. Ist der VPD zu hoch, schließen die Pflanzen laut diesem Beitrag ihre Spaltöffnungen, Blattspitzen verbrennen und Blätter rollen sich ein.

KI-Illustration einer Blattoberfläche in starker Vergrößerung mit Spaltöffnungen, links geöffnet, rechts geschlossen.
Illustration (KI-generiert)KI-generiert

VPD berechnen mit der Magnus-Formel

Ausgangspunkt ist der Sättigungsdampfdruck, also der Dampfdruck vollständig gesättigter Luft bei einer bestimmten Temperatur. Die Magnus-Formel beschreibt ihn als Exponentialfunktion der Temperatur, deren Konstanten sich je nach Quelle leicht unterscheiden. Der Deutsche Wetterdienst verwendet in seinem Vorhersagesystem MOSMIX eine vereinfachte Magnus-Variante mit den Konstanten 17,5043 und 241,2, um die relative Feuchte aus Taupunkt und Temperatur zu bestimmen. Die FAO-Richtlinie Nr. 56 zur Verdunstung von Kulturpflanzen nutzt eine Gleichung derselben Bauart, die das Ergebnis direkt in kPa liefert. Mit ihr ist die Tabelle in diesem Artikel berechnet:

  1. Sättigungsdampfdruck bei der Lufttemperatur T in °C: es = 0,6108 · exp(17,27 · T / (T + 237,3)), Ergebnis in kPa (FAO-Gleichung 11).

  2. Tatsächlicher Dampfdruck aus der relativen Luftfeuchte RH in Prozent: ea = es · RH / 100 (umgestellt aus FAO-Gleichung 10).

  3. Dampfdruckdefizit: VPD = es − ea, zusammengefasst VPD = es · (1 − RH / 100).

Bei 24 °C beträgt der Sättigungsdampfdruck 2,98 kPa. Liegt die relative Luftfeuchte bei 60 %, hat die Luft einen tatsächlichen Dampfdruck von 1,79 kPa, der VPD beträgt also 1,19 kPa. Weil die Gleichung nicht linear ist, bildet die FAO Mittelwerte über Tage oder Monate aus den Werten bei Höchst- und Tiefsttemperatur. Aus der Durchschnittstemperatur berechnet, fiele der mittlere Sättigungsdampfdruck niedriger aus.

VPD-Tabelle nach Temperatur und Luftfeuchte

Die Spalten stehen für die relative Luftfeuchte, die Werte für den VPD in kPa. Sie gelten für die Luft-VPD, also unter der Annahme, dass Blatt und Luft gleich warm sind. Berechnet sind sie mit der FAO-Gleichung und auf zwei Nachkommastellen gerundet.

Temperatur

45 %

50 %

55 %

60 %

65 %

70 %

75 %

80 %

18 °C

1,14

1,03

0,93

0,83

0,72

0,62

0,52

0,41

20 °C

1,29

1,17

1,05

0,94

0,82

0,70

0,58

0,47

22 °C

1,45

1,32

1,19

1,06

0,93

0,79

0,66

0,53

24 °C

1,64

1,49

1,34

1,19

1,04

0,90

0,75

0,60

26 °C

1,85

1,68

1,51

1,34

1,18

1,01

0,84

0,67

28 °C

2,08

1,89

1,70

1,51

1,32

1,13

0,94

0,76

30 °C

2,33

2,12

1,91

1,70

1,49

1,27

1,06

0,85

VPD-Zielwerte für Steckling, Wachstum und Blüte

Die Phasenwerte für Cannabis sind Erfahrungswerte aus der Anbaupraxis. Die Studie in Frontiers in Plant Science gibt sie als in der Literatur genannte Spannen wieder und stützt sich dabei unter anderem auf den Beitrag in Cannabis Science and Technology aus dem Jahr 2019. Dessen Autoren, drei Ingenieure eines Planungsbüros für Anbauanlagen, bezeichnen 0,8 bis 1,1 kPa im Wachstum und 1,0 bis 1,5 kPa in der Blüte als gemeinhin ideal. Einen eigenen Bereich für Stecklinge nennen sie nicht.

Phase

Frontiers in Plant Science (2025)

Cannabis Science and Technology (2019)

Steckling und Sämling

0,5 bis 1,0 kPa

keine Angabe

Wachstum

0,7 bis 1,2 kPa

0,8 bis 1,1 kPa

Blüte

1,0 bis 1,5 kPa

1,0 bis 1,5 kPa

Übertragen auf die Tabelle oben fallen etwa 24 °C bei 75 % relativer Luftfeuchte mit 0,75 kPa in den Bereich für Stecklinge, 24 °C bei 65 % mit 1,04 kPa in den Wachstumsbereich und 26 °C bei 60 % mit 1,34 kPa in den Blütebereich. Die Bereiche überschneiden sich, und derselbe VPD ergibt sich aus mehreren Kombinationen: 1,34 kPa entstehen ebenso bei 24 °C und 55 %.

Balkengrafik mit VPD-Zielbereichen für Steckling, Wachstum und Blüte in kPa.
Grafik: Graswiese

Luft-VPD und Blatt-VPD

Tabellen auf Basis der Lufttemperatur setzen voraus, dass das Blatt so warm ist wie die Luft. Eine Modellstudie zur Blatttemperatur in der Fachzeitschrift PLOS ONE (2015) kam zu dem Ergebnis, dass Blätter gut mit Wasser versorgter Pflanzen unter Sonnenlicht, Natriumdampf-Hochdrucklampen und LED-Leuchten meist höchstens 2 °C von der Lufttemperatur abweichen. Unter LED-Leuchten waren die Blätter bei gleicher Lichtmenge rund 1,3 °C kühler als unter Natriumdampflampen. Bei Wasserstress und wenig Luftbewegung konnten sie im Modell dagegen bis zu 8 °C (LED) beziehungsweise 12 °C (Natriumdampf) wärmer werden als die Luft.

Für die Blatt-VPD wird der Sättigungsdampfdruck bei Blatttemperatur statt bei Lufttemperatur angesetzt. Die Studie in Frontiers in Plant Science ging dafür von einem Temperaturunterschied zwischen Blatt und Luft von 1 bis 3 °C aus. Wie stark das ins Gewicht fällt, zeigt eine Rechnung mit der FAO-Gleichung: Bei 26 °C und 60 % relativer Luftfeuchte beträgt die Luft-VPD 1,34 kPa. Ist das Blatt 2 °C kühler als die Luft, sinkt die Blatt-VPD auf 0,97 kPa.

Vergleichsgrafik: Luft-VPD 1,34 kPa gegenüber Blatt-VPD 0,97 kPa bei 26 Grad und 60 Prozent Luftfeuchte.
Grafik: Graswiese

Was eine Studie zur Luftfeuchte bei Cannabis zeigt

Im November 2025 erschien in Frontiers in Plant Science eine Untersuchung zur Luftfeuchte auf Bestandshöhe, nach Angaben der Autoren die erste, die zwei Feuchtebereiche bei CBD-reichem Cannabis verglich. In Klimakammern wuchsen 20 Stecklinge einer CBD-dominanten Sorte, je 10 bei 37 bis 58 % und bei 78 bis 98 % relativer Luftfeuchte. Daraus ergaben sich folgende Werte:

Phase

Relative Luftfeuchte

Temperatur

Luft-VPD

Blatt-VPD

Wachstum

37 bis 58 %

20,2 °C

1,29 kPa

1,02 kPa

Wachstum

78 bis 98 %

20 °C

0,05 kPa

0,13 kPa

Blüte

37 bis 58 %

17 °C

0,92 kPa

0,60 kPa

Blüte

78 bis 98 %

21 °C

0,25 kPa

−0,04 kPa

Unter hoher Luftfeuchte begann die Blüte in Woche 13 statt in Woche 10, geerntet wurde in Woche 15 statt in Woche 14. Die Blütenbiomasse sank von 33,80 g auf 9,90 g, ein Minus von 71 %. Der Gesamt-CBD-Gehalt lag bei 0,61 % statt 2,80 %, und auch andere Cannabinoide gingen zurück: CBC-A fiel von 3,90 mg/g auf 0,30 mg/g.

Grafik mit Blütenbiomasse und Gesamt-CBD-Gehalt unter niedriger und hoher Luftfeuchte im Vergleich.
Grafik: Graswiese

Wo die Studienlage dünn ist

Die Autoren der Frontiers-Studie halten fest, dass die Wirkung hoher Luftfeuchte auf Wuchs und Cannabinoidgehalt einzelner Genotypen weitgehend unerforscht ist. Ihre eigene Untersuchung bezieht sich auf einen einzigen Genotyp mit 20 Pflanzen. Folgestudien mit weiteren CBD-reichen Sorten halten sie für nötig.

Einen der üblichen Zielbereiche prüft die Studie nicht direkt. Auch die trockenere Variante lag in der Blüte mit 0,92 kPa unter dem Blütebereich von 1,0 bis 1,5 kPa, den die Autoren selbst zitieren. Verglichen wurden zwei Feuchtestufen; ob Werte innerhalb der üblichen Spannen besser abschneiden als Werte knapp daneben, beantwortet die Arbeit nicht.

Die Phasenwerte gehen zum Teil auf den Branchenbeitrag von 2019 zurück, der sie als gemeinhin bekannte Idealwerte beschreibt. Hinzu kommt die Temperaturfrage: Die Tabelle oben rechnet mit der Lufttemperatur, während die Blatttemperatur je nach Licht und Wasserversorgung davon abweichen kann, wie die Modellstudie von 2015 zeigt.

Häufige Fragen

Welcher VPD gilt für Cannabis in der Blüte?

Für die Blüte werden meist 1,0 bis 1,5 kPa genannt, so in einer Studie in Frontiers in Plant Science (2025) und einem Branchenbeitrag in Cannabis Science and Technology (2019). Es handelt sich um Erfahrungswerte aus der Praxis.

Wie berechnet man den VPD?

Zuerst wird mit einer Gleichung nach Art der Magnus-Formel der Sättigungsdampfdruck bei der Lufttemperatur bestimmt, etwa nach der FAO-Gleichung es = 0,6108 · exp(17,27 · T / (T + 237,3)) in kPa. Multipliziert mit (1 − RH / 100) ergibt sich der VPD; bei 24 °C und 60 % relativer Luftfeuchte sind das 1,19 kPa.

Warum reicht die relative Luftfeuchte als Messwert nicht aus?

Der Sättigungsdampfdruck steigt mit der Temperatur nicht linear, deshalb ergibt dieselbe relative Luftfeuchte je nach Temperatur einen anderen VPD. Bei 60 % sind es bei 20 °C 0,94 kPa, bei 30 °C 1,70 kPa.

Was ist der Unterschied zwischen Luft-VPD und Blatt-VPD?

Die Luft-VPD rechnet mit der Lufttemperatur, die Blatt-VPD mit der Temperatur des Blatts. Ist das Blatt bei 26 °C und 60 % relativer Luftfeuchte 2 °C kühler als die Luft, sinkt der Wert von 1,34 kPa auf 0,97 kPa.

Gibt es Studien zum VPD bei Cannabis?

Nur wenige. Eine Studie in Frontiers in Plant Science (2025) verglich bei 20 Pflanzen einer CBD-reichen Sorte zwei Feuchtebereiche; unter hoher Luftfeuchte begann die Blüte in Woche 13 statt in Woche 10, und der Gesamt-CBD-Gehalt sank von 2,80 % auf 0,61 %.

Quellen

Stand: 22.10.2026

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachperson.