Stäbe und Bindungen für die Seitenäste, großzügiger Wurzelraum, dauerhafte Belüftung: Was Züchter zum Anbau von Purple Haze schreiben, passt zu einer wüchsigen Sativa aus der Haze-Linie. Hinter dem Namen steht allerdings keine einheitliche Pflanze, sondern eine Reihe von Versionen mit unterschiedlichem Stammbaum, verschiedenen Samentypen und weit auseinanderliegenden Angaben zur Blütezeit.
Anbau:
Positronics beschreibt für seine Auslese mitteldicke Stämme, große, dünn gezackte Blätter und eine tannen- oder kandelaberartige Verzweigung mit weiten Internodien. Der Züchter rät zu reichlich Wasser, viel Wurzelraum und dauerhafter Belüftung, im Innenraum zu früher Blüteneinleitung und im Freien zu einer Aussaat erst im Juni oder Juli, damit der Wuchs nicht ausufert. Für Balkon oder Terrasse hält er die Pflanzen nicht für geeignet.
Sensi Seeds nennt für die Freilandkultur warmes, sonniges Klima mediterraner Prägung. Die namengebende Färbung tritt laut G13 Labs erst bei niedrigen Temperaturen gegen Ende der Blüte auf: Blätter und Kelche wechseln dann von Dunkelgrün zu Lavendel oder Violett, gelegentlich ins Bläuliche. Den Anbau stufen Sortenbeschreibungen als wenig anspruchsvoll ein.
Versionen verschiedener Breeder:
ACE Seeds führte Purple Haze als Selektion purpurfarbener und rötlicher Phänotypen aus der eigenen Oldtimer's-Haze-Population, als 100 % Sativa aus mexikanischen, kolumbianischen, südindischen und thailändischen Linien, ausschließlich als reguläre Samen, mit 16 bis 20 Wochen Blüte und mittlerem bis niedrigem Ertrag.
Die feminisierten Versionen fallen deutlich kürzer aus. White Label gibt 50 bis 65 Tage an, 110 bis 150 cm Höhe und rund 100 g je Pflanze, bei 80 % Sativa und 20 % Indica aus Purple Thai und einer Haze-Linie. G13 Labs nennt für seine Kreuzung aus Afghan und Haze 65 bis 70 Tage, 18 % THC, 500 bis 600 g/m² im Innenraum und 700 g je Pflanze im Freien, dort mit Ernte Mitte bis Ende Oktober. Positronics beziffert Purple Haze #1 auf 70 Tage Blüte, 400 g/m² im Innenraum, 350 g je Pflanze im Freien, 22 % THC und 0,2 % CBD. ILGM gibt 9 Wochen Blüte, 17 bis 20 % THC und 0,1 % CBD an. Mit Purple Haze Auto führt Original Sensible Seeds eine autoflowering Kreuzung mit Ruderalis, die nach rund 40 Tagen Blüte und 70 bis 75 Tagen ab Aussaat erntereif ist; im Freien wurden Pflanzen zwischen 100 und 150 cm dokumentiert, die Phänotypen fallen unterschiedlich aus.
Genetik und Herkunft:
Als Eltern werden meist Purple Thai und Haze genannt. Belastbar dokumentiert ist das nicht. Eine Sortensammlung ordnet Purple Haze schlicht als purpurfarbenen Phänotyp der Haze-Linie ein, die auf Santa Marta Gold, Wacky Weed und weitere kolumbianische Sativas zurückgeht, und hält fest, dass die ursprüngliche Pflanze nie als Samen verkauft wurde.
Zur Entstehung kursieren mehrere Erzählungen. Eine Darstellung von 2020 verlegt sie in die 1970er nach Santa Cruz in Kalifornien und schreibt sie den Haze Brothers und Sam „the Skunkman“ zu, bezeichnet die Überlieferung aber selbst als Hörensagen. Eine Veröffentlichung von 2026 nennt stattdessen DJ Short und betont, dass die heute unter dem Namen gehandelte Pflanze nicht mit der aus den 1960ern identisch sei. Der Name stammt aus Jimi Hendrix' Song von 1967, nicht umgekehrt.
Aroma und Geschmack:
Beschrieben werden süße, erdige Beerennoten mit Traube und scharfem Gewürzanteil, dazu blumige Anklänge, die als Veilchen oder Lavendel benannt werden. Sensi Seeds schildert den Duft der wachsenden Pflanze als süß und herb, nach der Trocknung erdiger und durchdringender mit Beerenanteil. G13 Labs beschreibt sein Aroma abweichend als frisch, waldig, erdig, moschusartig und holzig mit metallischem Einschlag, bei ACE Seeds fällt das Profil dunkler aus, nach schwarzem Lakritz und Waldbrombeere mit Holz, Gewürz und Weihrauch. Als dominantes Terpen wird Myrcen genannt, danach Caryophyllen und Limonen.
Wirkung:
Nutzerberichte und Sortenbeschreibungen nennen eine kopfbetonte, wache Wirkung mit Euphorie, gehobener Stimmung, Gesprächigkeit, Antrieb und gesteigerter Kreativität, ohne ausgeprägte körperliche Schwere. Sensi Seeds ordnet der Indica-Beteiligung einen leichten entspannenden Unterton zu. An Nebenwirkungen genannt werden Mundtrockenheit, trockene Augen, Schwindel, Kopfschmerz und paranoide Reaktionen.
THC- und CBD-Gehalt:
Die Breeder-Angaben liegen zwischen 18 % bei G13 Labs, 17 bis 20 % bei ILGM und 22 % bei Positronics. CBD beziffert ILGM auf 0,1 %, Positronics auf 0,2 %. Sortenbeschreibungen setzen die Spanne mit 14 bis 19 % niedriger an.
Erfahrungen aus der Community:
Anbauberichte zeichnen ein uneinheitliches Bild. In einem Innenraum-Grow von 2016 fielen die Pflanzen breit und buschig aus, mit kleinen, sehr klebrigen Blütenständen; der Grower rechnete mit rund 70 Tagen Blüte. Ein anderer dokumentierter Durchgang endete nach 135 Tagen von der Keimung bis zur Ernte mit 368,54 g Trockengewicht je Pflanze. Dort war über dem vierten Nodium getoppt, entlaubt und über zwei Netzebenen im SCROG geführt worden; die Blütenstände blieben lang und eher schlank, ließen sich wegen der kleinen, harzbedeckten Blätter aber leicht schneiden.
Der Geruch wurde in diesem Durchgang als süß und zitrusartig mit Bonbonnote beschrieben, der Geschmack als Zitrus, Sahne und Säure. Topping vertrugen die Pflanzen auch in weiteren Berichten ohne erkennbare Rückschläge.