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Cannabis-Erntezeitpunkt bestimmen: Trichome, Stempel und Kelche

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Viktor
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Nahaufnahme einiger Cannabisblüten an einem Zweig mit sichtbaren Trichomen und Stempeln bei Tageslicht.
KI-generiert

Den Erntezeitpunkt bei Cannabis zeigen vor allem zwei Merkmale der Blüte an. Das eine sind die Köpfe der Drüsentrichome, deren Harz sich mit zunehmender Reife von klar über milchig zu bernsteinfarben bis braun verfärbt. Das andere sind die Blütenstempel, die von weißlich-gelb zu rötlich-braun wechseln. Ratgeber nennen außerdem angeschwollene, feste Kelche als Zeichen der Reife.

Die Farbstufen der Trichome treten allerdings nebeneinander auf, weil sich die Trichome zeitversetzt bilden. Auf einem einzelnen Tragblatt zählte eine kanadische Studie aus dem Jahr 2023 gegen Ende der Blüte 83 klare, 96 milchige und 52 braune Trichomköpfe.

Trichomfarbe als Reifemerkmal: klar, milchig, bernstein

Die Reife lässt sich an den gestielten Kopftrichomen ablesen. Am dichtesten stehen sie nach einer botanischen Arbeit, auf die sich die kanadische Studie stützt, auf den Tragblättern rund um den Kelch und auf den kleinen einfachen Blättchen im Blütenstand. Wie diese Drüsenhaare aufgebaut sind, beschreibt der Beitrag Was sind Trichome. Wo Kelch, Tragblätter und Stempel an der Blüte liegen, zeigt der Artikel zum Aufbau der Cannabispflanze.

Während die Drüsenköpfe reifen, wird ihr Harz zunächst trüb und milchig weiß, später bernsteinfarben bis braun. Die Studie in der Fachzeitschrift Journal of Cannabis Research bringt die Bräunung mit der Alterung der Köpfe in Verbindung: Sie fluoreszieren unter UV-Licht schwächer, sterben ab und lösen sich ab. Unter Anbauenden gilt dieser Farbwechsel nach Angabe der Autoren als Zeichen überreifer Blüten.

Die Pflanzen standen in dieser Studie 2 Wochen im vegetativen Stadium unter 18 Stunden Licht, danach 8 Wochen unter 12 Stunden Licht in einem Blühraum. Untersucht wurden 2 Genotypen von Woche 3 bis Woche 8 der Blüte. Ab etwa Woche 5 sonderten die Köpfe Harz ab, alterten und fielen ab. Nach 8 Wochen war ein hoher Anteil sichtbar braun. Eine Farbmessung an einer weiteren Sorte ergab von Woche 3 über Woche 5 bis Woche 7 eine abnehmende Durchsichtigkeit bei steigendem Rotanteil.

Eine zweite Arbeit, an der dieselbe Forschungsgruppe beteiligt war, erschien 2023 in der Fachzeitschrift Smart Agricultural Technology. Darin ordnete ein automatisches Verfahren die Trichomköpfe von 4 Sorten zwischen Woche 3 und Woche 9 der Blüte nach ihrer Farbe ein. Die Autoren hielten fest, dass der Zusammenhang zwischen Trichomfarbe und Blütenentwicklung zuvor nicht untersucht worden war. Sie deuten die zeitlichen Verläufe der Farbstufen als sortenunabhängige Anzeichen der Blütenentwicklung.

Farbstufe

Aussehen der Köpfe

Befund in einer Studie mit 4 Sorten (2023)

Klar

durchscheinend

am häufigsten um Tag 25 der Blüte

Milchig

trüb, milchig weiß

höchster Anteil je nach Sorte zwischen Tag 50 und Tag 70

Bernstein bis braun

bernsteinfarben bis braun

rasche Zunahme zwischen Tag 65 und Tag 75

Tabelle zu Trichomfarbe im Blüteverlauf: Anteile klarer, milchiger und brauner Trichomköpfe nach Tagen.
Grafik: Graswiese

Warum Trichome ungleichmäßig reifen

Die Autoren der Studie im Journal of Cannabis Research führen die gemischten Farbstufen darauf zurück, dass sich die Kopftrichome zeitversetzt bilden. Bei beiden Genotypen stieg die Trichomdichte bis Woche 6 allmählich an. Auch die Genotypen unterschieden sich: Nach 6 Wochen waren die Stiele der Trichome beim einen rund 500 µm lang, beim anderen rund 300 µm.

Innerhalb der Blüte fanden die Forschenden ebenfalls Unterschiede. Nach 6 Wochen trug die Unterseite der Tragblätter bei beiden Genotypen signifikant mehr gestielte Kopftrichome als die Oberseite. Die Trichomdichte auf der Oberseite unterschied sich dagegen nicht signifikant zwischen Proben aus dem unteren, mittleren und oberen Bereich der Blütenstände.

Im Lauf der Reife ändert sich außerdem die Form der Köpfe. Abgesonderte Harztröpfchen ließen viele von ihnen verkleben oder zusammenfallen. Nach dem Trocknen und dem maschinellen Trimmen hatten sich in der Studie viele Drüsenköpfe gelöst oder waren kollabiert.

Trichome mit Lupe oder Mikroskop prüfen

Für die Sichtprüfung nennen deutschsprachige Ratgeberportale eine Lupe oder ein Taschenmikroskop mit 20- bis 50-facher oder mit mindestens 30-facher Vergrößerung. In der kanadischen Studie wurden Tragblätter mit einer Rasierklinge aus dem oberen, mittleren und unteren Bereich jedes Blütenstands entnommen und unter einem Stereomikroskop bei 50-facher Vergrößerung betrachtet. Die Arbeit in Smart Agricultural Technology stützte sich auf Makrofotografie und auf Fluoreszenz, die durch UV-Licht angeregt wurde.

In der Forschung gilt die Sichtprüfung durch Menschen als unsicher. Eine 2026 in der Fachzeitschrift Agriculture veröffentlichte Studie beschreibt die übliche Beurteilung von Trichomen und Stempeln als subjektiv und damit uneinheitlich. Die Forschenden nahmen mit einfachen, smartphonebasierten Systemen im Gewächshaus und im Labor über 14.000 Bilder auf. Ein Klassifikationsmodell ordnete die Trichome mit einer Genauigkeit von 98,6 % den Klassen klar, milchig und bernstein zu. Eine australische Studie aus dem Jahr 2025 nennt als Fehlerquellen der manuellen Einschätzung die individuelle Farbwahrnehmung, die Erfahrung aus früheren Ernten und schlichte Bedienfehler.

Lupe neben einem Cannabisblatt und einer Blüte auf Holzuntergrund, Nahaufnahme bei Tageslicht.
KI-generiert

Blütenstempel als Reifezeichen

Blütenstempel, botanisch Narben, sind die Organe der weiblichen Blüte, die Pollen aufnehmen. Laut der australischen Studie dient ihre Farbe Anbauenden traditionell als Hinweis darauf, wann die Pflanze am meisten Cannabinoide bildet. In der kanadischen Untersuchung wechselten die Stempel mit der Reife von weißlich-gelb zu rötlich-braun. Nach Ernte und Trocknung nahmen sie einen tiefen orangebraunen Ton an.

Die australische Studie, 2025 in der Fachzeitschrift Plants erschienen, hat diesen Zusammenhang geprüft. 25 Genotypen wuchsen zunächst unter 16 Stunden Licht und blühten dann unter 12 Stunden Licht. Über einen Zeitraum von 119 Tagen nach Blühbeginn wurden je Genotyp 4 Blütenstände geerntet, im Bild ausgewertet und mit Flüssigchromatographie und Massenspektrometrie analysiert. Die Stempelfarbe ordneten die Forschenden 4 Stufen zu:

  1. vollständig weiß

  2. teilweise bernsteinfarben

  3. überwiegend bernsteinfarben

  4. vollständig bernsteinfarben

Bei 22 der 25 Genotypen lag die höchste Gesamtkonzentration an Cannabinoiden in Stufe 3 oder 4, bei 10 davon in Stufe 3 und bei 12 in Stufe 4. Ein Genotyp erreichte den Höchstwert bereits in Stufe 1. Beim Gesamtertrag an Cannabinoiden lagen 18 Genotypen in Stufe 4 vorn und 7 in Stufe 3. Die Autoren halten die Faustregel, bei überwiegend bernsteinfarbenen Stempeln zu ernten, in den meisten Fällen für eine brauchbare Näherung, sehen aber Bedarf an Untersuchungen einzelner Genotypen. Warum Stempelfarbe und Cannabinoidbildung zusammenhängen sollten, ist nach ihrer Darstellung wissenschaftlich nicht erforscht.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Studie in Agriculture. Dort fiel der Farbwechsel der Stempel von grün zu orange mit der höchsten Cannabinoidkonzentration zusammen, die per Hochleistungsflüssigkeitschromatographie gemessen wurde.

Prozentangaben in Ratgebern

Feste Anteile verfärbter Stempel, ab denen eine Pflanze als erntereif gilt, stammen aus Ratgebern. Die Werte gehen auseinander:

Quelle

Genannter Anteil verfärbter Blütenstempel

Tageszeitung, Ressort Wissen (2024)

mindestens 40 %, als Erntefenster 40 bis 70 %

Hanf-Fachmagazin (2019)

50 bis 75 %

Gartenratgeber-Portal

70 bis 90 %

Kelche

Ein Hanf-Fachmagazin und ein Gartenratgeber-Portal führen angeschwollene, feste Kelche als weiteres Reifezeichen an. An den Tragblättern rund um den Kelch sitzen zugleich die meisten Trichome, auf die sich die Farbprüfung bezieht.

Grafik mit vier Reifestufen der Blütenstempel von weiß bis vollständig bernsteinfarben.
Grafik: Graswiese

Blühdauer und Verlauf der Cannabinoidgehalte

Die Zahl der Wochen seit Blühbeginn gibt nur einen Rahmen vor. In der kanadischen Studie wurden die Blütenstände nach 7 bis 8 Wochen Blüte geerntet. Eine Feldstudie an Nutzhanf, 2020 im Journal of Agricultural and Food Chemistry veröffentlicht, untersuchte 3 tageslängenabhängige und 2 tageslängenneutrale Sorten. Die Blüten wurden wöchentlich beprobt, beginnend 2 bis 4 Wochen nach der Anthese und bis zum Absterben der Pflanzen. Die Gehalte an THC, CBD und CBG stiegen mit der Reife und erreichten 6 bis 7 Wochen nach der Anthese ihren Höchststand. Nach einer Plateauphase, die je nach Sorte unterschiedlich lang dauerte, sanken sie wieder, während die Pflanzen alterten.

Die australische Studie verweist auf frühere Ergebnisse, nach denen sich der geeignetste Erntezeitpunkt zwischen Genotypen unterscheidet und THC und CBD zu verschiedenen Zeitpunkten ihren Höchstwert erreichen. Ein einheitlicher Zeitraum für alle Genotypen lässt sich daraus nach Einschätzung der Autoren schwer ableiten.

Ernte aus dem Eigenanbau nach KCanG

Nach § 9 Abs. 1 KCanG dürfen Erwachsene ab 18 Jahren an ihrem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt insgesamt nicht mehr als 3 Cannabispflanzen gleichzeitig anbauen. Was geerntet wird, darf nach § 9 Abs. 2 KCanG nicht an Dritte weitergegeben werden. Für den Besitz am Wohnsitz gilt § 3 Abs. 2 KCanG: erlaubt sind bis zu 50 Gramm Cannabis und bis zu 3 lebende Pflanzen. Bei Blüten und sonstigem Pflanzenmaterial zählt das Gewicht „nach dem Trocknen“. Welche Mengen außerhalb der Wohnung gelten, fasst der Artikel zu den erlaubten Besitzmengen nach KCanG zusammen.

Grafik zu erlaubten Mengen beim Eigenanbau: bis zu drei Pflanzen und bis zu 50 Gramm getrocknetes Cannabis.
Grafik: Graswiese

Häufige Fragen

Woran erkennt man den richtigen Erntezeitpunkt bei Cannabis?

Als Reifezeichen gelten die Farbe der Trichomköpfe, die von klar über milchig zu bernsteinfarben bis braun wechselt, und die Verfärbung der Blütenstempel von weißlich-gelb zu rötlich-braun. Ratgeber nennen zusätzlich angeschwollene, feste Kelche.

Was bedeuten milchige und bernsteinfarbene Trichome für die Ernte?

Sie stehen für spätere Reifestadien. In einer Studie mit 4 Sorten erreichte der Anteil milchiger Köpfe je nach Sorte zwischen Tag 50 und Tag 70 der Blüte seinen Höchststand, braune Köpfe nahmen zwischen Tag 65 und Tag 75 rasch zu. Die Bräunung geht mit der Alterung der Drüsenköpfe einher.

Welche Vergrößerung braucht man, um Trichome zu beurteilen?

Deutschsprachige Ratgeberportale nennen Lupen oder Taschenmikroskope mit 20- bis 50-facher oder mit mindestens 30-facher Vergrößerung. In einer kanadischen Studie wurden die Tragblätter unter einem Stereomikroskop bei 50-facher Vergrößerung untersucht.

Warum sind nicht alle Trichome gleich gefärbt?

Trichome bilden sich zeitversetzt, deshalb sitzen auf einem Tragblatt Köpfe unterschiedlicher Reife nebeneinander. Eine Studie zählte auf einem einzelnen Tragblatt 83 klare, 96 milchige und 52 braune Köpfe.

Wie viele Blütenstempel müssen zur Ernte braun sein?

Ratgeber nennen voneinander abweichende Anteile zwischen 40 und 90 % verfärbter Stempel. In einer Studie mit 25 Genotypen lag die höchste Cannabinoidkonzentration bei 22 Genotypen in den Stufen mit überwiegend oder vollständig bernsteinfarbenen Stempeln.

Quellen

Stand: 22.10.2026

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachperson.