Cannabis trocknen: Ablauf, Klima und Dauer

Cannabis zu trocknen heißt, frisch geernteten Blüten so lange Wasser zu entziehen, bis sie lagerfähig sind. Für die verbreitete langsame Trocknung nennen eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Bioengineering (2022) und ein Merkblatt der Oregon State University 18 bis 21 °C bei 50 bis 55 % relativer Luftfeuchtigkeit in einem dunklen, belüfteten Raum. Die Dauer liegt je nach Quelle bei 5 bis 6 Tagen oder bei 2 bis 3 Wochen.
Die meisten Messwerte stammen aus Untersuchungen an Nutzhanf und an medizinischem Cannabis. Klima und Verfahren beeinflussen nach diesen Studien die mikrobielle Belastung und den Gehalt an Terpenen und Cannabinoiden.
Warum frische Cannabisblüten getrocknet werden
Frisch geerntete Blüten bestehen laut der Übersichtsarbeit in Bioengineering zu rund 78 bis 80 % aus Wasser. In einer Studie israelischer Forschungseinrichtungen mit 2 Chemovaren (Fachzeitschrift Plants, 2024) verloren die Blüten bei einer 6-tägigen Trocknung in kontrollierter Atmosphäre 77,4 und 78,5 % ihres Gewichts. Werden Trocknung und Lagerung unzureichend kontrolliert, bildet sich nach der Übersichtsarbeit Schimmel.
Im deutschen Recht ist das Trocknen außerdem Bezugspunkt für Mengengrenzen. Die erlaubten Besitzmengen nach dem KCanG beziehen sich bei Blüten, blütennahen Blättern und sonstigem Pflanzenmaterial auf das „Gewicht nach dem Trocknen“ (§ 3 Abs. 1 und 2 KCanG). Erwachsene dürfen danach bis zu 25 Gramm zum Eigenkonsum besitzen, an ihrem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt bis zu 50 Gramm, zusammen höchstens 50 Gramm. Der private Eigenanbau ist nach § 9 Abs. 1 KCanG auf 3 Pflanzen gleichzeitig begrenzt, und Cannabis aus Eigenanbau darf nach § 9 Abs. 2 KCanG nicht an Dritte weitergegeben werden.

Ablauf vom Trimmen bis zum Aufhängen der Buds
Vor oder nach der Trocknung werden die Blätter an den Blütenständen entfernt. Die Übersichtsarbeit unterscheidet den Nasstrimm vor der eigentlichen Trocknung vom Trockentrimm nach Trocknung oder Curing. In beiden Fällen kommt es nach den Autoren darauf an, die Struktur der Trichome zu erhalten.
Beim klassischen Hängetrocknen hängen Stängel mit den Blütenständen nach unten an Drähten in einem Raum mit gleichbleibender Temperatur, bis die angestrebte Wasseraktivität erreicht ist. Alternativ liegen die Blüten auf Gittern oder Schalen. Für die Gittertrocknung nennt die Übersichtsarbeit rund 4 bis 5 Tage, für die langsame Trocknung bei annähernd Umgebungsbedingungen 5 bis 6 Tage.
Das Merkblatt der Oregon State University zu Nutzhanfblüten aus dem Jahr 2022 beschreibt für die langsame Trocknung einen dunklen, gut belüfteten Raum wie eine Scheune oder einen Schiffscontainer, dessen Klima mit Ventilatoren, Luftentfeuchtern oder Heizgeräten eingestellt wird.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit beim Trocknen
Übereinstimmend geben das Merkblatt und die Übersichtsarbeit für die langsame Trocknung 18 bis 21 °C und 50 bis 55 % relative Luftfeuchtigkeit an. In den Vergleichsgruppen neuerer Studien lief die herkömmliche Trocknung teils kühler, teils wärmer ab.
Untersuchung | Material | Temperatur | Luftfeuchtigkeit | Dauer |
|---|---|---|---|---|
Israelische Studie, Plants (2024) | medizinisches Cannabis, 2 Chemovare | 15 °C | 50 bis 55 % | 14 Tage plus 1 Tag Curing |
Studie zur Mikrowellentrocknung, Cannabis and Cannabinoid Research (2024) | medizinisches Cannabis, THC-reiches Chemovar | 16 °C | 50 % | 10 Tage |
Studie der Cornell University, Plants (2025) | Nutzhanf, 2 Sorten | 25 °C | 45 % | 1 Woche |
Höhere Temperaturen verändern das Material. Die Übersichtsarbeit gibt eine Studie an Hanf wieder, in der beim Anstieg der Trocknungstemperatur von Umgebungstemperatur auf 90 °C der Anteil erhaltener Terpene von 82,1 auf 29,9 % sank, während die Decarboxylierung von CBDA von 0,2 auf 14,1 % stieg.
Wie lange Cannabis trocknet
Eine einheitliche Angabe zur Dauer gibt es nicht. Die Übersichtsarbeit nennt 5 bis 6 Tage für die langsame Trocknung. Die Autoren der israelischen Studie sprechen in ihrer Einleitung von einer Trocknungsphase von 2 bis 3 Wochen, die unter anderem von Temperatur und Luftfeuchtigkeit abhängt. In den Versuchen selbst reichte die herkömmliche Trocknung von 1 Woche bei 25 °C bis zu 14 Tagen bei 15 °C.
Woran sich der Trocknungsgrad messen lässt
Ein Maß für den Abschluss der Trocknung ist die Wasseraktivität (aw). Die Norm ASTM D8197 in der Fassung von 2022 legt für getrocknete Cannabisblüten einen Bereich von 0,55 bis 0,65 fest. Der obere Wert soll das Wachstum von Mikroorganismen wie Schimmel verhindern, der untere Schäden durch Zerbrechen bei Handhabung und Lagerung. Liegt die Wasseraktivität über 0,68, sieht die Norm eine weitere Trocknung vor. Als Restfeuchte nach herkömmlicher 10-tägiger Trocknung bei 16 °C maß die Studie zur Mikrowellentrocknung 13,10 %.
Schimmel und Terpenverluste beim Trocknen
Eine lange Trocknung erhöht nach den Autoren der israelischen Studie das Schimmelrisiko, weil die Feuchtigkeit nur langsam entweicht. Bis zum 12. Tag waren in ihrem Versuch rund 80 % der herkömmlich getrockneten Blüten des Chemovars mit der Bezeichnung 240 stark mit dem Pilz Alternaria alternata befallen, in geringem Maß auch mit Botrytis cinerea. In der Studie zur Mikrowellentrocknung stieg die mikrobielle Belastung bei herkömmlicher Trocknung um 2 Logstufen. In der Studie der Cornell University wiesen die an Umgebungsluft getrockneten Proben die höchsten Hefe- und Schimmelwerte auf.
Mit der Trocknung gehen auch flüchtige Terpene verloren. Eine 2020 im Journal of Cannabis Research erschienene Arbeit verweist auf eine Untersuchung von 1996, nach der luftgetrocknete und anschließend gelagerte Blüten gegenüber frischem Material nach 1 Woche 31,0 %, nach 1 Monat 44,8 % und nach 3 Monaten 55,2 % ihres Terpengehalts verloren hatten.
Schnellere Trocknungsverfahren in Studien
Die israelische Studie trocknete Blüten bei 15 °C in Kammern mit kontrollierter Gaszusammensetzung, darunter reiner Stickstoff und eine Mischung aus 5 % Kohlendioxid, 5 % Sauerstoff und 90 % Stickstoff, bei einer Luftfeuchtigkeit unter 10 %. Trocknung und Curing verkürzten sich gegenüber der herkömmlichen Methode um mindestens 60 %, flüchtige Terpene blieben dabei erhalten. Unter Stickstoff unterschied sich der THCA-Gehalt des THC-reichen Chemovars nicht signifikant vom Wert zum Erntezeitpunkt. Die Autoren folgern, dass jedes Chemovar eigene Trocknungsbedingungen erfordern könnte.
In der Studie zur Mikrowellentrocknung wurden Blüten eines THC-reichen Chemovars bei 40, 50, 60 und 80 °C getrocknet und auf 67 Cannabinoide und 36 Terpenoide untersucht. Bei 50 °C verkürzte sich die Trocknung von 10 Tagen auf deutlich weniger als einen Tag, der THC-Gehalt blieb ähnlich wie nach herkömmlicher Trocknung. Bei 80 °C stieg die THC-Konzentration deutlich, während der Gehalt an Terpenoiden um etwa 50 % sank.
Die Studie der Cornell University an 2 Nutzhanfsorten verglich Heißluft bei 75 °C über 8 Stunden, Umgebungsluft bei 25 °C und 45 % Luftfeuchtigkeit über 1 Woche und Gefriertrocknung über 24 Stunden. Die Gesamtgehalte an Cannabinoiden unterschieden sich zwischen den Verfahren nicht signifikant. Bei Heißluft lag die Decarboxylierung jedoch bei 8,5 bis 9,0 %, bei den beiden anderen Verfahren unter 0,1 %, und die Hefe- und Schimmelbelastung war um rund 2 Logstufen niedriger.
Laut dem Merkblatt der Oregon State University kommen auch Konvektions-, Infrarot- und Gefriertrocknung in Frage, die allerdings hohe Investitionen erfordern.
Curing und Lagerung nach dem Trocknen
An die Trocknung schließt sich meist das Curing an: Die Blüten reifen in verschlossenen Behältern nach, die in Abständen geöffnet werden. Das Merkblatt der Oregon State University nennt dafür 14 Tage bei 18 °C und 60 % relativer Luftfeuchtigkeit bei einer Wasseraktivität unter 0,65. Eine in der Übersichtsarbeit zitierte Untersuchung stufte 18 °C und 60 % über 2 Wochen, mit Öffnen des Deckels nach 6 Stunden, als beste Bedingung ein. In der Studie der Cornell University dauerte das Curing 3 Wochen bei rund 25 °C im Dunkeln, in Glasgefäßen oder Folienbeuteln.
Für die Lagerung nennt das Merkblatt 18 °C und 45 bis 55 % relative Luftfeuchtigkeit; Licht, Luft und hohe Temperaturen senken danach den Cannabinoidgehalt. Nach der Übersichtsarbeit ist die Lagerung bei 22 °C unter Lichteinfluss für die Cannabinoide stark nachteilig im Vergleich zur Lagerung im Dunkeln bei 4 °C.

Häufige Fragen
Bei welcher Temperatur und Luftfeuchtigkeit wird Cannabis getrocknet?
Für die langsame Trocknung nennen ein Merkblatt der Oregon State University und eine Übersichtsarbeit in Bioengineering (2022) 18 bis 21 °C und 50 bis 55 % relative Luftfeuchtigkeit. In Studien lief die herkömmliche Trocknung auch bei 15, 16 oder 25 °C.
Wie lange dauert es, Cannabis zu trocknen?
Die Übersichtsarbeit in Bioengineering nennt 5 bis 6 Tage für die langsame Trocknung und rund 4 bis 5 Tage auf Gittern. Andere Fachautoren sprechen von 2 bis 3 Wochen, in Studien dauerte die herkömmliche Trocknung zwischen 1 Woche und 14 Tagen.
Wie wird gemessen, ob Buds ausreichend getrocknet sind?
Ein Maßstab ist die Wasseraktivität. Die Norm ASTM D8197 legt für getrocknete Cannabisblüten einen Bereich von 0,55 bis 0,65 fest und sieht bei Werten über 0,68 eine weitere Trocknung vor.
Wie viel Gewicht verlieren Cannabisblüten beim Trocknen?
Frische Blüten bestehen laut einer Übersichtsarbeit zu rund 78 bis 80 % aus Wasser. In einer Studie mit 2 Chemovaren verloren sie bei der Trocknung 77,4 und 78,5 % ihres Gewichts.
Zählt beim Cannabis-Besitz das frische oder das getrocknete Gewicht?
Nach § 3 Abs. 1 und 2 KCanG beziehen sich die Besitzmengen bei Blüten, blütennahen Blättern und sonstigem Pflanzenmaterial auf das Gewicht nach dem Trocknen.
Was bedeutet Curing bei Cannabis?
Curing ist die Nachreifung getrockneter Blüten in verschlossenen Behältern, die in Abständen geöffnet werden. Das Merkblatt der Oregon State University nennt dafür 14 Tage bei 18 °C und 60 % relativer Luftfeuchtigkeit.
Quellen
§ 9 KCanG – Anforderungen an den privaten Eigenanbau, Bundesministerium der Justiz
Bridges, C.: Post-harvest processing of hemp flowers, Oregon State University Extension Service
Stand: 22.10.2026
Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine medizinische oder therapeutische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachperson.