2007 entdeckte CH9 Female Seeds in der hauseigenen Sorte Aroma Phänotypen mit ausgeprägtem Mandarinenduft und entwickelte daraus durch Selbstbestäubung Tangerine. Die Linie ist reine Inzucht, Mutter und Vater stammen gleichermaßen aus Aroma. Unter demselben Namen führt 420 Genetics eine Sorte mit anderer Abstammung, die bei 2 Wettbewerben im Extraktbereich prämiert wurde.
Genetik und Herkunft:
Nach Angaben des Breeders liegt mit der heutigen Linie die 4. Generation vor: Aus einer F2 ging durch erneute Selbstung eine S2 hervor. Selektiert wurde auf das Mandarinenbouquet und auf eine Wirkung, die CH9 als exotisch bezeichnet. Aroma selbst geht auf Ed Rosenthal Super Bud und eine Kreuzung zurück, an der Power Plant und Jack Herer beteiligt sind.
Bei der Einordnung gehen die Angaben auseinander. CH9 Female Seeds beschreibt Tangerine als Indica mit Sativa-Einfluss, mehrere andere Sortenbeschreibungen führen sie als sativadominante Hybride, eine weitere als ausgeglichene Hybride.
Aroma und Geschmack:
Der Breeder nennt neben Mandarine auch Mango und Ananas und spricht von einem fruchtigen Geschmack. Sortenbeschreibungen und Konsumberichte bestätigen den Schwerpunkt auf Orange und Zitrus mit tropischem Einschlag, einzelne erwähnen Zitrone, Süße oder einen erdigen Abgang. Als führende Terpene werden Myrcen, Pinen und Limonen angegeben, je nach Beschreibung in unterschiedlicher Reihenfolge.
Wirkung:
CH9 Female Seeds bezeichnet die Wirkung trotz des fruchtigen Bouquets als kräftig. Konsumberichte schildern sie als anregend, mit gehobener Stimmung, Euphorie, Energie und Konzentration; manche Konsumenten wurden albern oder gesprächig. Andere berichten, dass auf das euphorische Einsetzen eine körperliche Entspannung folgte, ohne dass sie sich sediert fühlten.
An Nebenwirkungen nennen die Berichte Mundtrockenheit und trockene Augen, daneben Nervosität, Paranoia, Kopfschmerzen und Herzrasen. In einem Fall klang eine anfängliche Unruhe nach kurzer Zeit wieder ab.
THC- und CBD-Gehalt:
Die Angaben zum THC-Gehalt stammen aus Sortenbeschreibungen und streuen deutlich zwischen 14 und 22 %. Beim CBD führen mehrere Beschreibungen 2 %, eine weitere 1,41 bis 1,68 %. Eine Quelle weist zusätzlich 1 % CBG aus.
Anbau:
CH9 Female Seeds hat Tangerine ausschließlich als feminisiertes Saatgut herausgebracht und gibt eine Blütezeit von 7 bis 8 Wochen an. Für den Indoor-Anbau nennt der Breeder nach 35 bis 45 Tagen Wachstumsphase bis zu 90 g, für das Freiland durchschnittlich 300 g und bis zu 350 g, abhängig von Wachstumsdauer und Saison. Das Aroma kommt laut CH9 in jedem Substrat zur Geltung, am stärksten jedoch in Hydrokultur.
Erfahrungen aus der Community:
Aus 2 dokumentierten Grows geht hervor, wie unterschiedlich die Pflanze je nach Standort wächst. Im Südwesten des US-Bundesstaats Washington erreichte eine Freilandpflanze in einem halbierten Weinfass zu Beginn der Blüte 11 bis 12 Fuß, also mehr als 3 m; Pflanzen, die dort nur Morgensonne bekamen, bildeten spürbar weniger Seitentriebe. In einem Gewächshaus auf Hawaii blieb eine Topfpflanze bei 3 Fuß und verzweigte sich nur spärlich, wirkte trotz regnerischer, feuchter Witterung aber gesund. Übereinstimmend beschreiben beide Berichte eher kleine Blüten und einen intensiven Mandarinengeruch während der Blüte.
Versionen verschiedener Breeder:
Die Tangerine von 420 Genetics hat mit der CH9-Linie nur den Namen gemein. Ihre Abstammung wird auf Tangie zurückgeführt, eine Kreuzung aus California Orange und einer Skunk-Linie. Der Breeder beschreibt eine niedrig bleibende, stark harzende Pflanze mit kompakten Blüten, die er für die Harzgewinnung vorsieht, und gibt rund 65 Tage Blüte an. Nach Angaben von 420 Genetics belegte die Sorte 2016 sowohl beim Copa Esmeralda als auch beim Copa Aromas del Valle jeweils den 2. Platz in der Kategorie lösungsmittelfreie Extrakte. Für die Autoflower-Version mit Ruderalis-Anteil nennt derselbe Breeder etwa 63 Tage Blüte.