Bekannt wurde Thai in den 1970er Jahren als Thai Stick. So hießen Blüten aus dem Nordosten Thailands, die um einen Bambus- oder Hanfstängel gebunden, mitunter mit Haschöl behandelt, in Fächerblätter gewickelt und unter der Erde nachgereift wurden. Bergvölker bauten Cannabis in dieser Region seit langer Zeit an. Der Reisejournalist John McMahon beziffert die Menge, die zwischen 1968 und 1972 außer Landes ging, auf rund 1.000 Tonnen. In die USA kamen Blüten und Samen in den 1970er und 1980er Jahren, als Überbringer gelten unter anderem Soldaten aus dem Vietnamkrieg. Einen Breeder gibt es nicht: Der Name steht für eine in Thailand heimische Landrasse reiner Sativa-Genetik.
Genetik und Herkunft:
Eine Übersicht zu den Landrassen Nordostthailands verortet den traditionellen Anbau in den Tälern des Phu-Phan-Gebirges, vor allem in den Provinzen Nakhon Phanom, Sakon Nakhon und Nong Khai. Lokal unterscheidet man Hang Kra Rog, den „Eichhörnchenschwanz“, und Hang Suea, den „Tigerschwanz“, beide benannt nach der Form der Blütenstände. Am Standort erreichen die Pflanzen laut dieser Übersicht in rund 6 Monaten 2,5 bis 3 m Höhe, geerntet wurde nach historischen Berichten zwischen Dezember und März.
Schon zur Zeit des Exports verwischte der Name, weil Händler jede um Stäbe gebundene Ware als Thai Stick verkauften. Auch das Ende der alten Bestände wird unterschiedlich datiert. Eine Darstellung nennt die staatliche Drogenbekämpfung der 1970er Jahre, McMahon die späten 1970er Jahre, als Bauern auf Kaffee umstellen sollten, die Übersicht zu Nordostthailand großflächige Vernichtungskampagnen ab 1984.
Verbreitete Sortenbeschreibungen führen Northern Lights und Amnesia Haze als Nachkommen. In der Beschreibung von Northern Lights bei Sensi Seeds ist von ursprünglich reiner Afghani-Genetik die Rede, die Neville Schoenmakers später mit einer Thai-Landrasse gekreuzt haben soll. Für Haze, entstanden in den 1960er Jahren in Santa Cruz, werden Landrassen aus Kolumbien, Mexiko, Thailand und Südindien genannt. Ein ausführlicher Erfahrungsbericht bestreitet das und führt Haze allein auf kolumbianische Herkünfte zurück.
Versionen verschiedener Breeder:
Samen unter dem Namen kommen heute von verschiedenen Anbietern, deren Angaben deutlich voneinander abweichen. Zamnesia führt eine feminisierte, photoperiodische Version als reine Landrassen-Sativa. Der Breeder nennt 13 bis 14 Wochen Blüte indoor und 14 bis 16 Wochen outdoor, Wuchshöhen von 150 cm indoor und 300 cm outdoor sowie Erträge bis 400 g/m² indoor und bis 800 g pro Pflanze outdoor. Den THC-Gehalt gibt Zamnesia mit 19 % an, den CBD-Gehalt als niedrig, den Anbau stuft der Breeder als leicht ein.
ACE Seeds bezeichnet seine Linie als Thai Stick und bezieht sie von traditionellen Thai-Stick-Produzenten. Feminisierte Samen gab es davon nie. ACE Seeds gibt 16 bis 18 Wochen Blütezeit an, eine Ernte outdoor im Dezember und einen mittleren Ertrag.
THC-Gehalt:
Ohne Bezug auf eine bestimmte Version nennt eine verbreitete Sortenbeschreibung 19 % THC und 1 % CBG. Dieselbe Quelle stützt ihr Terpenprofil auf getestete Produkte und führt Caryophyllen als dominantes Terpen, gefolgt von Myrcen und Limonen.
Aroma und Geschmack:
Erdige und holzige Noten kehren in mehreren Beschreibungen wieder. Zamnesia ergänzt für seine Version Schokolade, Zitrus und Diesel, ACE Seeds beschreibt Thai Stick als würzig und holzig mit Zitronenton. Andere Sortenbeschreibungen nennen Tabak, Tee und Weihrauch neben süßen, tropischen Anklängen, eine weitere Kiefer und würzige Früchte; den Rauch schildert diese Quelle als süß und cremig mit saurer Kiefernnote. Erfahrungsberichte erwähnen außerdem Grapefruit, Leder und einen waldigen Kräutergeruch. Einem Konsumenten missfielen gerade diese Kräuternote und der Geschmack.
Wirkung:
Den Kern der Erfahrungsberichte bildet eine anregende, kopfbetonte Wirkung mit Euphorie, Kreativität und Konzentration, dazu Gesprächigkeit und Albernheit. Mehrfach heißt es, man bleibe dabei arbeitsfähig. ACE Seeds beschreibt die Wirkung seiner Version als klar und aktivierend. Abweichend berichten andere von Schläfrigkeit oder einem starken Körpergefühl, einer saß auf einer Feier nach eigener Schilderung wie festgeklebt im Stuhl. Wer Thai Sticks aus den 1970er Jahren kannte, erinnert sie als intensiver. Als Nebenwirkungen werden trockene Augen und Mundtrockenheit genannt, vereinzelt leichte Nervosität beim Abklingen, visuelle Verzerrungen und bei höheren Mengen Paranoia.
Anbau:
Beim Schwierigkeitsgrad gehen die Einschätzungen weit auseinander. Eine Sortenbeschreibung stuft Thai als mittelschwer ein, eine andere hält den Anbau außerhalb tropischer Klimazonen wegen der langen Wachstumsphase und der langsamen Blüte für anspruchsvoll und eher im Gewächshaus für machbar. Beim Klima widersprechen sich die Angaben ebenfalls: Zamnesia nennt tropisch-feuchte Bedingungen, eine andere Quelle heißes, trockenes Subtropenklima. Dieselbe Quelle gibt nur 9 bis 11 Wochen Blüte indoor und eine Ernte Ende Oktober an.
Nach Zamnesia wachsen die Pflanzen hoch mit hellgrünem Laub und langen Seitentrieben und strecken sich vor der Blüte stark. Kunden des Breeders berichten von langen Kulturen mit guten Erträgen, von Samen, die zum Keimen Wärme brauchen, und von schwankender Keimfähigkeit.